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Irland komprimiert erfahren für nur 3 Euro. Eine Reise mit dem irischen ÖPNV im Nordwesten der Republik und mit viel Magie, Mystik und Musik.

 

von Harald Jüngst

 

 Von Dungloe nach Falcarragh in der nordwestirischen Region Donegal erfährt man über knapp 50 km ganz besondere Highlights des Wild Atlantic Way. Gemeinsam mit den Einheimischen und deren begleitenden und kommentierenden Erläuterungen – im ÖPNV. Sage und schreibe 3,00 Euro kostet das Ticket für diese atemberaubende Tour. Startpunkt ist Dungloe, ein gut 1000 Einwohner zählendes Küstenörtchen im nordwestirischen County Donegal. Vom altehrwürdigen Sweeney‘s Hotel bewegen 200 PS den 9-Sitzer-Minibus entlang der Main Street in Richtung Ortsausgang. Local Link 966 – so prangt die offizielle Linienbeschreibung an der Windschutzscheibe. An Bord hat Cronan Mc Fadden alle Fäden in der Hand, Lenkrad und Schaltknüppel fest im Griff, die Straßenszene im Blick und seine Passagiere fest an der Angel – zunächst einmal nur einen, nämlich mich.

 

Cronans Passagiere steigen meist da ein, wo sie wohnen und da aus, wo es ihnen gerade passt. Es sind meist ältere Menschen ohne eigenen Fahruntersatz, mit viel Zeit – und immer bereit für einen Plausch. In ihren Tripp flechten sie immer diverse Alltagsnotwendigkeiten ein. „Die wollen einkaufen, besuchen den Zahnarzt, lassen ihre Augen beim Optiker checken, gehen zum Sozialamt, holen sich bei der Post die Rente ab und genießen dabei auf der Fahrt immer wieder die tolle Landschaft“, weiß Cronan.

 

Nicht einmal fünf Minuten währt meine Solo-Exklusivität an Bord, da winkt ein männliches Wesen den „bus-stop“ herbei. Der neue Fahrgast: Reuben Ò Conluain, ein pensionierter Lehrer, füllt fortan den Bus, meinen Kopf und mein Herz bis zum Trippende als Historiker und Geograph, als Literat, Linguist, Storyteller. Und vermittelt und lebt die irische Seele mit all ihren detaillierten und faszinierenden Facetten inklusive traditioneller lokaler Hintergründigkeiten.

 

Jeder Busch und Baum, jeder Bachlauf, Wasserfall und Hügel – jede Bucht erzählt auf dieser Strecke faszinierende Geschichten – und Reuben Ò Conluain kennt sie alle. Auch die vom dem so bedrohlich sich zur Straße neigenden, massigen sieben Meter Eiszeitfindling „The Crolly Stone“. Reuben erläutert:

„Menschen, die von hier auswandern mussten, warfen dort einen Stein hinauf. Blieb er oben liegen, bedeutete es, dass sie wieder nach Hause zurückkehrten. Fiel der Stein wieder runter – was sehr, sehr häufig geschah – würden sie nie wieder zurückkommen und in der Fremde leben und dort auch sterben.“

 

Wir bewegen uns in einem „Gaeltacht-Gebiet“ – in einer der wenigen Regionen der Insel, in der die gälische Sprache den Alltag der Menschen bestimmt und begleitet. Hier in „Dore“ sind wir in der Heimat der Sängerin „Enya“ und auch

von „Clannad“, jener Familienband, die seit den 1970er-Jahren als erste irische Gruppe diese gälische Sprache in die Welt hinaustrug. Überall sind hier die Berge präsent, praktisch direkt vom Meer aufragend bilden sie eine imposante Kulisse. Vor allem der Mount Errigal – der höchsten Erhebung. Der Errigal zeigt sich als kahler Kegel mit weiß-grauen Geröllabhängen – von Eiszeitgletschern so markant geformt. Gerade einmal 751 Meter ragt er in den Himmel. Die baumlose Landschaft lässt Hochgebirge wähnen. „Mini-Fujiyama“ nennen ihn die Einheimischen. Seine Quartzitablage glitzert wie ewiges Eis, einfach majestätisch-beeindruckend und so nah am Atlantik. Auch zum „Errigal“ liefert Reuben Ò Conluain den magisch-mystischen Background: „Wenn man ganz genau hinschaut, sieht man oben gleich zwei Gipfel im Abstand von rund 30 Metern. Man sagt hier: Als Noahs Arche damals zu niedrig über Donegal schwebte, brach sie dabei oben am Errigal genau das Felsstück heraus, das diese besondere Gipfelform zurückließ.“

 

Im winzigen Straßendorf Bunbeg passieren wir den Pub „Huidi Beags“, ein Kulttreff für Fans von Geigen, Flöten, Banjos und Mandolinen. Aus diesen berühmten Huidi Beag-Sessions entwickelte sich auch die in Deutschland renommierte Band „Altan“. Ganz besonders Donegal gilt als ein Hort für den traditionellen Irish Folk. Kein Haus hier ohne Gesang und Musik – keine Familie ohne Tanz und Storytelling. Donegal im abgeschiedenen Nordwesten der Insel zeigt sich als wahrlich wildromantischer Fleck mit dramatischen Ausblicken auf zerkerbte Küste und unwegsame Felshänge. Stichwege fallen von unserer Fahrstrecke zu einsamen Buchten und Anlegestellen.

 

Mittlerweile ist auch eine deutsche Besucherin mit an Bord. Seit 25 Jahren reist Gabi Wolf jährlich nach Donegal und jedesmal genießt sie diesen ganz besonderen „Drei-Euro-Tripp“. Unsere Piste ist jetzt von Hecken und Steinwällen gesäumt. Letztere besonders intensiv sichtbar beim „Teach Mhuiris“. Hier erliegt Gabi Wolf immer wieder der „Magie der Steine“: „Wir sind hier in der Gegend, wo man die Steinfelsen und die Steingrenzen deutlich erkennen kann. Das Land war ja voller Steine. Um ein Feld für eine Kuh oder einen Esel abzugrenzen, wurden die Steine aus dem Boden geholt und als Mauern verwendet, was ich total beeindruckend finde, weil die Steine relativ glatt und rund sind. Die Menschen haben diese Trockenmauern so durch geschicktes Schichten übereinander gebaut, ohne dass sie zusammenbrechen.“

 

Hinter jeder Kurve erlebt man Überraschungen: Schwarzgesichtige Schafe, die mitten auf der Fahrbahn ihrem Mittagsschlaf frönen. Reetgedeckte Cottages zeugen von realer Romantik. Inish Sionnaigh, Gola, Inish Meain strahlen küstennah smaragdgrün und auch graufelsig gescheckt im türkisfarbenen Atlantik. Inseln und Inselchen – aneinander gereiht wie Geschmeidepartikel an einem Amulett. Land und Meer verfingern sich hier fjordartig. Die Sandbuchten von Carrickfinn, Machaire Clochair und PortArthur blinken feinweiß und schlohgelb. Und dann erblickt das Auge immer wieder Torfland, Hochmoore und Bloody Foreland. Hier taucht die Abendsonne den roten Granit der Landspitze in blutrote Farbe. Reuben Ó Conluain kennt auch hier die mystische Legende dazu: „Der Riese Balor hatte hier einst einen Kampf mit seinem Schwiegersohn Mc Kinley, dem Vater von Balors Enkel. Und weil die weisen Druiden Balor voraussagten, er werde eines Tages durch die Hand seines Enkels sterben, fürchtete und erzürnte ihn die Vaterschaft Mc Kinleys derart, dass er ihm genau hier den Kopf abschlug, so dass das Blut – bis heute sichtbar – in den Felsen eindrang.“

 

Der Blick wandert hinüber zu Tory Island – jenem 100-Seelen-Eiland rund 15 km draußen im Atlantik. Der blinkende Leuchtturm warnt die Seeleute vor Untiefen mit wrackgefüllten Meeresfelsengräbern. Hier stimmt Reuben voller Inbrunst den gälischen Song „Baidin Fheilimi“ an, der erzählt, wie Felims kleines Fischerboot an Torys Felsen zerschellt. Reuben Ó Conluain treibt es regelmäßig in den Local Link 966: „Ich bin sehr oft auf dieser Straße und gewöhnlich fahre ich selbst. Aber immer wieder nehme ich den Bus. Hier sitze ich nämlich höher, genieße dabei ganz relaxt den Ausblick. Das erlaubt mir das Selberfahren so nicht. Heute erfreue ich mich an den Veränderungen in den Gärten, registriere neue Häuser. Und man weiß auch nie, wen man im Bus trifft. Vielleicht trifft man alte Freunde oder man lernt neue Freunde kennen. Die Menschen hier sind sehr kommunikativ.“

 

Auf diesem Küsten-Bergstraßenabschnitt schiebt sich die Dooey-Halbinsel in Richtung des Inseltrios Inishbofin, Inishdooey und Inish Beag – Inish bedeutet „Insel“ auf Gälisch. Genau hier bei Magheraroarty haftet der Blick magnetisch an einer Dünenwelt, die das Herz von Gabi Wolf seit einem Vierteljahrhundert immer wieder höher schlagen lässt. „Je näher wir kommen sieht man wie groß diese Landzungen-Düne ist. Man hat wirklich das Gefühl, sich in einer Wüste zu befinden. Diese Sandlandschaft wirkt so intensiv, dass man versteht, warum die Einheimischen hier sagen: Das ist die ,irische‘ Sahara.“

 

In dieser Region lebt eine Vielzahl renommierter Schriftsteller, Sänger, Musiker, Schauspieler, Maler und Bildhauer, die ihre Werke durch die hiesige Landschaft, deren Menschen, Sprache und Kultur inspirieren lassen.

 

Reuben rezitiert einige Zeilen des gälischen Poeten Cathal Ó Searcaigh: „Es gibt nichts Schöneres, wenn sich die Sonnenstrahlen auf Inishbofin ergießen. Es gibt nichts Friedvolleres, als der Drossel Morgengesang. Es gibt nichts Wärmeres als der Glockenklang aus einer Glockenblume.“

 

Und so langsam verlassen wir die Bergkurven; der Local Link 966 nähert sich seinem Reiseziel„ Falcarragh“. Fast genau eine Stunde über genau 46 km versorgte er mich nebst Mitreisenden und auch den Fahrer mit üppigen Landschaftsimpressionen, faszinierenden Geschichten, bewegenden Songs, Sensibilitäten für Traditionen und – menschlicher Nähe, die die deutsche Donegal-Expertin so auf den Punkt bringt: „Die Herzlichkeit und die Gastfreundschaft der Menschen, deren Liebenswürdigkeit, die Großzügigkeit, Spaß und Lebensfreude erfährt man hier in Donegal ganz besonders. Hier lebt man die Wärme und den Respekt.“ Dieses Statement möchte ich ausdrücklich mit meinem persönlichen, dicken Gütesiegel versehen, das nicht nur für diesen Bustripp gilt, sondern genauso für ein erlebtes Vorher und Nachher.

 

Ankunft Falcarragh Ortsmitte – Endstation für den Local Link 966. Und Busfahrer Cronan Mc Fadden verabschiedet uns mit der schon zuvor erlebten Herzlichkeit: „Bye for now, I hope to see you back soon!“

 


Wenn Sie mehr über den Wild Atlantic Way in Irland erfahren möchten, hören Sie doch einfach mal rein in den Podcast von Tourism Ireland.
 
 
Links:
https://www.ireland.com/de-de/destinations/experiences/wild-atlantic-way/
 
https://www.ireland.com/de-de/destinations/county/donegal/county-donegal/
 
https://locallinkdsl.ie/timetables/
 
https://www.govisitdonegal.com/explore-donegal/gaeltacht
 
https://www.alltrails.com/de/trail/ireland/county-donegal/errigal
 
https://www.facebook.com/people/Teach-Hi%C3%BAda%C3%AD-Beag/100057578764977/
 
https://www.govisitdonegal.com/things-to-do/activities/bloody-foreland-walk
 
  
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